A Coruña (Provinz)

Die zur autonomen Gemeinschaft Galicien gehörende Provinz A Coruña mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt ist vor allem wegen eines Ortes touristisch bedeutsam: Santiago de Compostela. Hier befindet sich das Grab des Apostels Jakobus, Ziel aller Pilgerer auf dem Jakobsweg.

Doch hat die Provinz A Coruña natürlich noch viel mehr zu bieten. Mehr als 1,1 Millionen Menschen leben hier, davon knapp ein Fünftel in der Hauptstadt. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 144 Einwohnern pro km². Die zweitgrößte Stadt (nach A Coruña) ist Santiago de Compostela mit ca. 94.000 Einwohnern. Andere, auch touristisch interessante, Städte sind beispielsweise Ferrol, Muros, Ribeira und Noia.

A Coruña ist Galiciens Provinz mit der längsten Küste sowie den meisten Einwohnern und war bis Mitte des 20. Jahrhunderts kulturelles und religiöses Zentrum der Region.

Lage und Landschaft der Provinz A Coruña

Die 7.876 km² große Provinz A Coruña bildet den nordwestlichen Zipfel von Spanien und wird in zwei Himmelsrichtungen (Norden und Westen) vom Atlantischen Ozean begrenzt. Östlich von A Coruña liegt die Provinz Lugo, südlich die Provinz Pontevedra.

Durch die Provinz ziehen sich bis zu 800 m hohe Berge, während man an der Küste vor allem Felsen und fjordartige Buchten findet. Dort gibt es zahlreiche kleine Flüsse wie den Tambre und den Ulla.

Klima der Provinz A Coruña

Aufgrund der Lage am Atlantik ist das Klima in der Provinz A Coruña mild, aber auch feucht. Im Sommer liegen die Durchschnittstemperaturen bei 20 °C, im Winter bei 10 °C. Niederschläge fallen vor allem im Winter. Insgesamt kommt die Region auf 150 Regentage im Jahr – ein Spitzenwert in Spanien.

Geschichte der Provinz A Coruña

Kathedrale Santiago de Compostela

Die Geschichte der Provinz A Coruña reicht bis zum Ende des Mittelalters zurück, als hier die Katholischen Könige Spaniens regierten. Damals war die Provinz wesentlich kleiner als heute. Erst 1833 erreichte sie durch die Zusammenlegung der Provinz Betanzos mit der Hälfte der Provinz Mondoñedo ihre heutige Dimension. Seitdem existiert eine „Hassliebe“ zwischen den Städten Ferrol, A Coruña und Santiago de Compostela. Daher kommt es auch, dass die Bistümer der Region nicht mit den Verwaltungsbereichen übereinstimmen und ausgerechnet die Hauptstadt A Coruña als einzige der drei Städte keine Kathedrale besitzt. Hinzu kommt, dass Santiago de Compostela heute als Hauptstadt Galiciens eigentlich viel bedeutsamer ist als A Coruña.

Ferrol war lange Zeit die bevölkerungsreichste Stadt der Provinz und ist noch heute als Marinestandpunkt sehr bedeutend. Mit der Herrschaft von Ferdinand VII. versank die Geburtsstadt des späteren spanischen Diktators Francisco Franco Anfang des 19. Jahrhunderts in der Bedeutungslosigkeit und hatte nur noch 13.000 Einwohner. Heute sind es 77.000, aber Ferrol wird wohl nie wieder zum Glanz alter Zeiten zurückkehren.

Während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges attackierte Sir John Moore mit seiner 30.000 Mann starken britischen Armee Napoleon in der Nähe von Burgos, wurde dann von den Franzosen zurückgedrängt, bevor Moore im Januar 1809 beim „Battle of Corunna“ in A Coruña durch einen Kanonenschuss getötet wurde – die Schlacht hingegen endete unentschieden.

Wirtschaft und Infrastruktur der Provinz A Coruña

Die Wirtschaft der Provinz A Coruña war schon früh sehr bedeutend für ganz Spanien. Im Hafen von Ferrol wurden Anfang des 19. Jahrhunderts erstmal weltweit Holzschiffe mit Kupferverkleidung und einige Jahrzehnte später gepanzerte Schiffe gebaut.

Heute gilt die Provinz A Coruña als wohlhabendste Galiciens. Somit ist es nicht verwunderlich, dass – entgegen dem allgemeinen Trend in der Gemeinschaft – die Bevölkerungszahlen in den großen Städten weiter zunehmen. Haupteinnahmequellen sind Fischerei, Schiffbau und Metallurgie. Aber auch Ölraffination, Keramik- und Glasindustrie sowie die aufstrebende Finanz- und Kommunikationsbranche bringen der Provinz Geld ein.

Freizeit und Tourismus in der Provinz A Coruña

Wunderschöne Strände, beschauliche Fischerdörfer und eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wiesen, Bergen und Wäldern im Inneren der Provinz machen A Coruña für Touristen zu einem attraktiven Reiseziel. Hier gibt es eine Vielzahl kleiner und großer Hotels sowie Ferienhäuser. Zudem kann man aus Deutschland bequem per Flugzeug anreisen: 15km nordöstlich von Santiago de Compostela befindet sich ein internationaler Verkehrsflughafen (IATA-Code: SCQ), der bspw. von RyanAir aus der Bundesrepublik direkt angeflogen wird. Vom Airport aus gelangt man schnell per Taxi, Auto oder Bus in die Stadt Santiago, aber auch nach A Coruña.

Wer nach A Coruña kommt, sieht das wahre Galicien (und muss eigentlich in keine der anderen Provinzen reisen). Ob Natur oder Kultur – die Provinz hat viel zu bieten. Die Städte und Gemeinden liegen nicht so weit auseinander wie anderswo in Galicien, sodass man schnell von einem Ort zum anderen kommt. Auch die großen Städte sind natürlich einfach zu erreichen und locken nicht nur mit Geschichte, sondern auch mit großen Shoppingmalls.

Vor allem in den größeren Städten der Provinz A Coruña gibt es zahlreiche Hotels der einfachen bis gehobenen Kategorie. In Ferrol hat man die Wahl zwischen zwei 4-Sterne-Hotels, dem Hotel Almirante und Hotel Hesperia Ferrol. Vor allem letzteres bietet viel für wenig Geld. In der Haupstadt empfielt sich das moderne Hotel Attica 21 Coruña, das Hotel Zenit Coruna, das Hotel Hesperia a Coruna oder das Husa Center – alles 4-Sterne-Unterkünfte. Einen noch besseren Standard findet man in Santiago de Compostela mit dem NH Obradoiro, dem AC Hotel Palacio Del Carmen und dem Melia Araguaney.

Gecampt werden kann auf folgenden Plätzen:

  • Camping Monte Do Gozo (Santiago de Compostela) – 2 Sterne
  • Los Manzanos (La Coruña) – 4 Sterne
  • Camping Fragadeume (Monfero) – mit Mietunterkünften

Städte und Sehenswürdigkeiten in der Provinz A Coruña

Die Hauptstadt A Coruña

Torre de Hercules in La Coruña

Mittelpunkt der Provinz A Coruña ist die am Atlantik gelegene Hauptstadt, die inoffiziell (eigentlich) La Coruña heißt. Bezieht man die Vororte mit ein, leben hier ca. 407.000 Menschen. Als La Coruña wurde die Stadt im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. In den darauffolgenden Jahrhunderten war ihr Hafen Ziel englischer Pilgerer auf dem Weg nach Santiago de Compostela. 1891 bis 1895 lebte Pablo Picasso in der Stadt und eröffnete hier auch seine erste feste Ausstellung.

Heute zieht vor allem die neue Promenade Touristen und Einheimische an. Bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt sind der Herkules-Turm (la Torre de Hercules) – der älteste Leuchtturm der Welt. Er wurde im 2. Jahrhundert erbaut und ist seit 2009 UNESCO-Welterbe. Ein paar hundert Meter weiter befindet sich das architektonisch konträre Domus, das Haus der Menschen. Das Gebäude des japanischen Architekten Arata Isozaki ist futuristisch und beherbergt verschiedene Ausstellungen mit Themen rund um den Menschen. Erwachsene zahlen 2 € Eintritt.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt:

  • Museum der Schönen Künste: 5.000 Gemälde, Skulpturen, Gravuren und Keramiken, Eintritt: 2,40 Euro (freier Eintritt samstags Nachmittag und sonntags)
  • Museum der Wissenschaft und Technologie: Ausstellungen, Planetarium und Experimente für die Besucher, Eintritt: 2 Euro
  • Archäologisches und Historisches Museum: 2 Euro Eintritt (freier Eintritt samstags)
  • Santiago-Kirche: ursprünglich romanischer Stil aus dem 12. Jahrhundert, Eintritt frei
  • Stiftskirche Santa María del Campo: aus dem 12. und 13. Jahrhundert, 1411 zur Stiftskirche geweiht, Eintritt frei

La Coruña ist groß und hat einen mittelalterlichen Stadtkern mit vielen Kirchen und Museen, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Städten Galiciens liegt der Reiz außerhalb der Altstadt. Am Hafen etwa stehen wunderschöne Galeriehäuser mit riesigen Glasfassaden. Lassen Sie sich einfach treiben – diese Stadt hat viel zu bieten.

Santiago de Compostela und der Jakobsweg

Die 93.000 Einwohner zählende Stadt Santiago de Compostela ist vor allem als Wallfahrtsort bekannt. Jährlich zieht es viele Menschen auf den Jakobsweg, der hier endet. Aber auch mit dem Flugzeug ist die Stadt gut erreichbar – und nicht nur für Gläubige lohnenswert. Trotzdem ist die Kathedrale der touristische (und natürlich religiöse) Mittelpunkt der Stadt und das Ende des „Way of St. James“, dem Jakobsweg. Ihr Bau begann 1054, 1128 wurde sie eingeweiht. Die Südfassade ist das älteste noch erhaltene Portal der Kirche – sie stammt aus dem Mittelalter.

Man sagt, in der Kathedrale sei der Heilige Jakobus – ein Apostel von Jesus – begraben worden. Wobei man erst ein Grab fand (eine Lichterscheinung wies auf ein Apostelgrab hin), dann eine Kirche um das Grab baute und um diese Kirche herum im 10. Jahrhundert die Stadt Santiago entstand. Die Skulptur des Heiligen Jakob befindet sich im Bereich der Westfassade.

Aus der Kirche wurde später eine Kathedrale und seit 1985 ist die Altstadt von Santiago de Compostela UNESCO-Weltkulturerbe. Zwei Jahre später ernannte man den Jakobsweg zum ersten europäischen Kulturweg. Im Jahr 2000 war Santiago de Compostela europäische Kulturhauptstadt. Vor der Kathedrale befindet sich der Plaza del Obradoiro, einer der beliebtesten Plätze Spaniens. Das schlägt sich leider auch in den Preisen der hier ansässigen Lokale nieder. Westlich des Platzes steht der Palacio de Rajoy, der 1777 erbaut wurde und heute als Rathaus sowie Sitz der lokalen Regierung Galiciens dient.

Weitere bedeutende Sehenswürdigkeiten existieren in der Stadt nicht. Erwähnenswert ist aber die Universität von Santiago de Compostela, die es schon seit dem 15. Jahrhundert gibt.

Parks in der Provinz A Coruña

Inselgruppe Cies

Die Provinz A Coruña teilt sich mit der Provinz Pontevedra den einzigen Nationalpark Galiciens, den 8.500 ha großen Parque Nacional de las Islas Atlánticas de Galicia. Zu ihm gehört die sehenswerte Inselgruppe Cíes (Islas Cíes), bestehend aus den Inseln Ons, Cortegada und Sálvora. An der Küste des Nationalparks trifft man auch auf eine der größten Möwenpopulationen Spaniens sowie auf Krähenscharben, Kormorane, Schildkröten, Delfine, Robben und Wale.

Darüber hinaus gibt es in der Provinz A Coruña zwei Naturparks: As Fragas Do Eume, Spaniens bedeutendster Waldpark, und den direkt am Strand gelegenen 1.000 ha großen Parque Natural del Complejo Dunar de Corrubedo y Lagunas de Carregal y Vixánis mit seinen riesigen Sanddünen. Die größte ist 15 m hoch, 200 m breit und 1 km lang.

Strände in der Provinz A Coruña

In der Hauptstadt A Coruña trifft man direkt an der neuen Promenade auf die beiden Strände Playa del Orzan und Playa de Riazor, die vor allem von den Einheimischen genutzt werden und bewacht sind. Entsprechend voll kann es hier werden. Surfer finden hier übrigens die perfekte Welle. Nahe des Herkules-Leuchtturms liegt in einer kleinen geschützten Bucht der Strand von San Amaro. Etwas schwieriger zu erreichen, aber dafür auch nicht so überfüllt.

Erwähnenswert ist auch der Ort Carnota, den man von Santiago de Compostela aus in westlicher Richtung erreicht. Der hiesige Strand namens Playa de Carnota ist mit 7 km der längste Galiciens. Man sagt, er gehört zu den 100 schönsten Stränden der Welt. Hier mündet ein Fluss in Lagunenform ins Wasser. Es gibt Duschen, Rettungsschwimmer und Lokale. In Carnota gibt es übrigens auch einen riesigen Kornspeicher – den wahrscheinlich größten der Welt.

Natürlich findet man auch an anderen Küstenabschnitten schöne Strände. Hier gilt: Die lohnenswertesten sind die, die man suchen muss. Also einfach mal das Auto stehen lassen und zu Fuß Richtung Küste laufen.

Feste und Kultur der Provinz A Coruña

Eines der bedeutendsten Feste in der Provinz A Coruña ist das Fest zu Ehren des Schutzheiligen Santiago Apóstol in Santiago de Compostela. Es beginnt zehn Tage vor dem Ehrentag des Heiligen Jakobus, der am 25. Juli stattfindet. Zum Fest gehören Theaterstücke, Ausstellungen, Konzerte und Straßenevents. Am 24. Juli werden mittags um 12 Uhr die Glocken der Kathedrale geläutet. In der darauffolgenden Nacht findet das Fest beim Apostelfeuer seinen Höhepunkt. Ein riesiges Feuerwerk zeichnet die Kathedrale nach und die Stadt ist voller Musik und Tanz, während die Kathedrale mit Weihrauch erfüllt wird. 2010 wurde in Santiago de Compostela übrigens das Heilige Jakobsjahr gefeiert.

In Ferrol findet im April die Karwoche, die Semana Santa de El Ferrol, statt, es ist das wohl wichtigste Fest des Jahres. Dann begehen die Bruderschaften in aufwändigen Gewändern die Prozessionen und tragen Heiligenfiguren mit Musik durch Ferrol. Besonders charmant ist die hiesige Karwoche wegen der langen Militärtradition der Stadt.

Die Stadt A Coruña bereitet sich ab Ende Mai auf die Johannesnacht Mitte Juni vor, in der man den Sommer begrüßt. Konzerte, Sportveranstaltungen, Volksfeste und Ausstellungen begleiten die Einwohner der Stadt in den drei Wochen bis zum eigentlichen Festtag. Dann verwandeln Umzüge und Tänze die Stadt in ein einziges Spektakel, das in der Nacht mit Hunderten von Feuern seinen Höhepunkt findet. Direkt am Atlantik wird ein großer Scheiterhaufen entzündet, der das Meer erleuchtet.

Ein weiteres Fest in der Haupstadt ist die im August stattfindende Fiesta de María Pita mit Konzerten, einem Mittelaltermarkt und einem großen Feuerwerk.

Bildquellen und -lizenzangabe:

1. Bild (Header): Serra da Capelada von Certo Xornal unter der CC.

2. Bild: Santiago de Compostela von Alquiler de Coches unter der CC.

3. Bild: Torre de Hércules en A Coruña von Cyber_MTB unter der CC.

4. Bild: Cíes von Miguel unter der CC.

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